So nicht

Kürzlich wurde der viel diskutierte Film «Elternschule» im Spätprogramm der ARD ausgestrahlt. Ich nahm mir also die Zeit, den Film zu sehen und mir selbst eine Meinung zu bilden.

 

 

Über Erziehung lässt sich ja sehr ausgiebig und heftig diskutieren. Dennoch, ich war sehr betroffen als ich den Film sah. Zum einen war ich überwältigt, wie klein die Knirpse in dem Film waren, zum Teil waren das Säuglinge, auch denen verpasste man ein Trennungstraining. Sie mussten mausallein in einem grossen Zimmer im Gitterbettchen schlafen, ihr Weinen blieb ungehört. Es wird gesagt, schon Säuglinge würden strategisch schreien. Was ist das für eine Beziehungshaltung? Und das einem hilflosen Wesen gegenüber, das sich nicht anders ausdrücken kann als über Schreien?

 

Es wird darüber gelacht, wenn ein Kind sich während der Zwangsfütterung im Schwall erbricht – er mache das strategisch, da müsse man durch. Kindern wird ohne Sedierung eine Sonde gelegt – eine hielt ihn fest, die andere sondierte. Im Ernst, das soll kindgerecht sein? Das ist Elternschule?

 

 

 

Was den Film durch konstant blieb, war diese trostlose, kalte, ja herzlose – so möchte ich es nennen -  Stimmung. Es hat sich für mich angefühlt, als hätte nicht ein einziger der Mitarbeiter dort, Kinder und was sie mitbringen gern, geschweige denn Freude daran. Die Blicke wirkten genervt, kalt, abgewandt und es ging darum klar zu stellen, war die Macht innehat.

 

 

 

Diese Haltung war aber nicht nur den Kindern gegenüber zu spüren, sondern auch den Eltern gegenüber. Ich empfand es als ein klares sich drüberstellen der Fachpersonen gegenüber der Eltern, die wirklich in grosser Not kamen und in ihrer Verzweiflung verständlicherweise so ziemlich alles versucht hätten. Es hatte Eltern darunter, die durch Flucht oder Krankheit des Kindes traumatisiert waren, doch auch ihnen auferlegte man strikte Trennung vom Kind, da war nichts zu spüren von Verständnis oder gar Empathie. «Die muss einfach lernen loszulassen» - Wie soll das jemandem möglich sein, der solch gravierende traumatische Erfahrungen gemacht hat? Der braucht zuerst selbst Therapie, um wieder heilen zu können.

 

 

 

Ich empfand das Vorgehen der Klinik als würdelos – gegenüber den Eltern, der Kinder aber auch gegenüber sich selbst. Wer andere so lieblos behandelt, sich gegenüber jenen die Hilfe brauchen erhöht, der handelt meines Erachtens würdelos.

 

 

 

Sicherlich die Methode hat funktioniert, die Kinder funktionieren nach Plan, nehmen sogar die Verantwortung auf sich für das weitere Gelingen. Wenn es nicht klappt, muss man wieder zurück – und welches Kind will das schon? Also resignieren sie in die Kooperation. Rechtfertigt dies nicht die Methode? Schliesslich kehrt – zumindest kurzfristig – Frieden im Hause ein.

 

Ich meine der Preis ist zu hoch, die Beziehung zwischen Eltern und Kind wurde zu tiefst beschädigt. Den Kindern wurde seelische Gewalt zugefügt und das unter dem Deckmantel des Helfens. Und leider wird dies in vielen Kreisen auch heutzutage als gerechtfertigte Massnahme angesehen, konsequent sein ist notwendig. Mir bleibt die Erinnerung an die Bilder der resignierten, traurigen Kinderaugen, in denen auch Angst durchschimmert. Vielleicht passt der Titel Elternschule dann doch, lernen wir doch in der Schule gehorsam auszuführen und nicht selbst zu denken. Und das müsste uns zu denken geben, sehr sogar.
Ich wünsche mir von Herzen, dass dieser Film die Menschen aufwecken möge, dass Erziehung so definitiv nicht geht.